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Helmy's 6 Lektionen: Was ich vom Workshopgeben gelernt habe

Helmy Stolwijk: einer der bekanntesten Knüpfer in der niederländischen Paracord-Welt und jetzt auch Paracord.eu-Botschafterin. Sie arbeitet seit Jahren mit Paracord und hat Hunderte von Workshops gegeben. Dies sind die 6 Lektionen, die sie durch das Geben von Workshops gelernt hat.

Seit 2017 haben Tausende von Menschen bei mir an einem Workshop teilgenommen. Und obwohl die Workshops von Anfang an mit Begeisterung angenommen wurden, musste ich noch viel durch Erfahrung lernen.

Helmy Stolwijk von Paradoggies knüpft mit Paracord Jig

Lektion 1: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Erster Workshopraum von Helmy StolwijkIn den ersten Jahren war das Knüpfen mit Paracord für mich in erster Linie ein Hobby. Mit der Zeit wurden die Bestellungen jedoch immer mehr. Deshalb habe ich mich 2017 bei der Handelskammer registriert und das Paracord-Hobby wurde zunehmend zu meinem Beruf.

Im selben Jahr bekam ich einen schönen Büroraum in der Firmenhalle meines Mannes und mir. So konnte ich dann auch Workshops anbieten. Nachdem ich auf Facebook darüber berichtet hatte, füllte sich mein Terminkalender schnell. Offensichtlich bestand ein riesiges Bedarf an diesen Workshops.

Dann musste zunächst so einiges geregelt werden. Ich wollte, dass alles ordentlich abgerechnet wird, also waren ein Geldkartenlesegerät und der Abschluss einer Haftpflichtversicherung unbedingt notwendig. Außerdem mussten alle Materialien in mehrfacher Ausführung vorrätig sein, darunter auch eines guten Jig für jeden Teilnehmer.

Alle Arten von Halsbändern und Rollen mit ParacordNachdem das alles erledigt war, konnte die Party beginnen. Zum Glück fiel es mir leicht, in den Workshops alles langsam und deutlich zu erklären und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Es wurde jeden Tag viel gelacht und jeder ging mit einem selbstgemachten Halsband und/oder einer selbstgemachten Leine glücklich nach Hause.

Und dann stößt man unerwartet auf alle möglichen Dinge, an die man trotz aller Vorbereitung nie gedacht hat. Und aus denen man selbst auch erst lernen muss.
 

Lektion 2: Was gibt es zu essen?

Frische Sandwiches zum Mittagessen bei Helmys WorkshopsIch gebe die Workshops tagsüber, und dazu gehört dann auch ein Mittagessen. Das klappte in der Regel gut: Ich sorgte für frische Sandwiches, Kroketten, alle möglichen Beläge und leckere Getränke.

Bis man plötzlich um 5 vor 12 erfährt, dass Teilnehmer Allergien haben oder dass sich vier Personen vegan ernähren. Dann gerät man ein wenig in Panik. Eine wichtige Lektion: Bereits im Voraus nach Allergien und Ernährungsbedürfnissen erkundigen.

 

Lektion 3: Zusammensetzung der Gruppe und Atmosphäre

Jeden Tag war mein Studio mit 2 bis manchmal 6 Leuten besetzt, nur den Sonntag hielt ich mir frei. Es war auch jeden Tag eine Überraschung, wer kommen würde.

Manchmal kamen Gruppen von Freundinnen, die einfach nur etwas unternehmen wollten. Sie interessieren sich eigentlich nicht für das Knüpfen, sie besuchen einfach ab und zu gern irgendwo einen Workshop zusammen.

Aber die große Mehrheit der Leute wollte lernen, wie man Halsbänder knüpft und auch sicher sein, dass sie die Bänder gut und sicher herstellen. Oft, um es zu Hause als Hobby zu betreiben und später vielleicht ein zusätzliches Taschengeld zu verdienen.

Paradoggies-Workshop von Helmy Stolwijk zur Herstellung eines Paracord-Halsbandes

Am schönsten für die Teilnehmer und für mich waren die Gruppen von Freunden oder Familienmitgliedern. Das funktionierte immer am besten. Woran das liegt?

Gespräche während der Workshops

Knüpfen eines Paracord-Halsbandes auf einem Paracord-JigEs kam schon mal vor, dass vier Personen am Tisch saßen, die sich nicht kannten und aus verschiedenen Teilen der Niederlande und Belgiens kamen. Und die verbrachten dann einen ganzen Tag zusammen. Ich muss natürlich allen meine Aufmerksamkeit schenken, aber einige brauchen einfach mehr Hilfe als andere.

Wenn Sie gerade mal einen Moment warten müssen, weil sich bei Ihrer Freundin etwas verheddert hat, ist das kein Problem. Aber wenn eine fremde Person zu viel Aufmerksamkeit nötig hat, wird es schnell anstrengend.

Freundinnen kennen einander und dann geht es in den Gesprächen um leichte Themen und meistens um ihre Hunde. Mit Fremden kommt es schon mal zu Diskussionen, und glauben Sie mir, ich respektiere die Meinung eines jeden, aber wenn vier Leute stundenlang darüber diskutieren, welche Erziehung für Fifi oder Brutus die richtige ist, kann ich mich kaum einmischen. Manchmal wurde es ziemlich hoch.

Gruppen von Bekannten oder Privatstunden

Und ich war natürlich immer noch die Lehrerin, die übrigens nach so einem Workshop völlig fertig war. Irgendwann habe ich dann beschlossen, dass ich das nicht mehr wollte. Als ich auf meiner Website darauf hinwies, dass ich nur noch mit Gruppen planen würde, in denen die Menschen zusammengehören, führte das doch zu ein paar hochgezogenen Augenbrauen.

Das war etwas gewagt, und vielleicht klingt das auch etwas arrogant. Aber für mich steht die Atmosphäre während eines Workshops an erster Stelle. Die Leute sollen einen schönen Tag haben, zufrieden nach Hause gehen und am liebsten noch mal wiederkommen. Einige meiner Kursteilnehmer haben bereits 11 Mal an einem Workshop teilgenommen. Nicht, weil sie es einfach nicht können, sondern, weil sie einen angenehmen und entspannten Tag verbringen wollen.

Ich habe dann auch angefangen, Privatstunden zu geben, denn auch hierfür war die Nachfrage groß. Eben weil es auch Menschen gibt, die sich in Gruppen nicht wohlfühlen oder weil sie einfach die volle Aufmerksamkeit brauchen.

Lektion 4: Es geht auch kürzer!

Auswahl der Paracord-FarbenEs muss nicht so lange dauern, war die Rückmeldung von Kursteilnehmern. „Wir kommen gegen halb 11 an, und haben um 11 Uhr die Farben ausgewählt und auch den Kaffee und den Apfelkuchen (wenn wir Glück haben) verzehrt. Gegen halb 12 steht die Führung auf der Jig und dann kann die Erklärung beginnen. Um 12 verstehen wir, wie man den Knoten knüpft, aber wir benötigen noch viel Unterstützung.

Und dann kommst du schon mit dem Mittagessen? Nein, wir wollen weitermachen, sonst fühlt es sich an, als ob wir nach dem Essen wieder von vorn beginnen müssen!”

Das habe ich mir zu Herzen genommen, denn sie hatten vollkommen recht. Also habe ich wieder ein neues Konzept für den Workshop erstellt. Natürlich ist der Tisch immer noch voll mit Essen, Getränken und allem, was dazugehört, aber Zeit, Kosten und Ergebnis sind jetzt für alle Beteiligten viel vorteilhafter.

Essen und Getränke auf dem Tisch während der Paracord-Workshops

Lektion 5: Kursteilnehmerinnen werden zu Freundinnen

Im Jahr 2019 war die Party dann mit einem Mal jäh zu Ende. Nach dem Tod meines Mannes war die Betriebshalle keine Option mehr. Das bedeutete Umziehen. Es war eine sehr schwierige Zeit, aber viele Kursteilnehmerinnen wurden damals auch Freundinnen, und das hat mir gut getan.

Mein Ziel war es, neue Räumlichkeiten zu finden, wo ich sowohl wohnen als auch arbeiten konnte. Das erwies sich als schwierig, aber es hat dann doch geklappt.

Jetzt gebe ich die Workshops auf einem geräumigen Dachboden und das geht genauso gut. Die Kroketten kann ich hier auch frittieren und der große Tisch bietet ausreichend Platz für 4 Personen.

Neuer Workshop-Raum für Helmy's Workshops, alles bereit für den Beginn des Workshops

Während Corona waren die Workshops natürlich wieder nicht möglich. Eine Zeit lang habe ich wirklich gezweifelt, ob ich die Workshops nicht ganz aufgeben sollte, aber eine gute Freundin hat mich überzeugt, doch weiterzumachen. Und zum Glück ist jetzt wieder viel mehr möglich.

Lektion 6: Es gibt für das Knüpfen eigentlich kein Nachschlagewerk

Auf meiner Website knotsure.nl sehen Sie, welche Möglichkeiten es in Bezug auf Workshops gibt, aber diese Website soll künftig auch ein hilfreiches Nachschlagewerk für alle Knüpfbegeisterten werden.

Es kommen nämlich jeden Tag in der Paracord-Welt neue Knüpfer und Knüpferinnen hinzu und ich sehe immer wieder dieselben Fragen auftauchen. Meistens werden sie dann an Google verwiesen, aber ich weiß, wie schwierig es sein kann, bestimmte Antworten zu finden.

Darum soll diese Website eine Art Enzyklopädie für Knüpfer werden, damit sie dort die Antworten einfacher finden. Es ist ein Non-Profit-Abenteuer und wird einige Zeit in Anspruch nehmen, aber ich hoffe, dass es im Sommer 2022 einsatzbereit sein wird.

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